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„Die Neue Mitte“

Berufsschulzentrum Rottweil 

vielmo architekten gmbh, Stuttgart 

 

Gesellschaftlicher Wandel manifestiert sich besonders in der jüngsten Generation. In Zeiten eines globalen Wettbewerbs und dem Kampf um Ressourcen und Innovationen in Technik und Forschung ist eine Neuausrichtung im Bereich Bildung daher unausweichlich. Auf der politischen Agenda steht schon seit längerem die Reform der Schulen und des Bildungswesens. Im Vordergrund stehen dabei der fortschreitende Lehrermangel oder die notwendige Digitalisierung von Schulen. Zusätzlich wird aber auch über Gebäudestrukturen und das Potential, das in einer neu gedachten Schularchitektur steckt, diskutiert. Schulen sollen mehr und mehr zu „bewegten Lernlandschaften“ werden, in denen flexibles und individuelles Lernen, das sich an den Bedürfnissen der Schüler und der neuen Arbeitswelt orientiert, möglich ist. Die neuen Bauten müssen verschiedenen Anforderungen gerecht werden. Schulen und Schulträger sollten ermutigt werden, Schritt für Schritt den passenden Lernraum zu schaffen. Die Gestaltung, die räumlichen Rahmenbedingungen und die Ausstattung von Schulen sind sehr wichtige und nicht zu unterschätzende Komponenten auf dem Weg zu einer neuen Lernkultur. Oft ist es die Aufgabe für die ausführenden Architekten, eine Verbindung zwischen Bestands- und Neubau zu schaffen. Im Fall des Berufsschulzentrums Rottweil hatte das Büro vielmo architekten die seltene Gelegenheit, ein Projekt über verschiedene Bauphasen zu begleiten. Schon 1973 wurde der  Bau eines umfassenden Berufsschulzentrums in Rottweil beschlossen. Seit dem Gewinn des Realisierungswettbewerbs für den 1. Bauabschnitt zeichnete die Architektenpartnerschaft Brunnert, Mory, Osterwalder, Vielmo, heute vielmo architekten, für die Planung und Durchführung der insgesamt sieben Bauabschnitte verantwortlich. Mit dem siebten Bauabschnitt wurde 2019 der Schlussstein der Erweiterung des Berufsschulzentrums gesetzt.

Projektübersicht
Das Gesamtprojekt Berufsschulzentrum Rottweil umfasst Neubauten, Umbauten und Erweiterungen mit Berufsschulen für Ausbildungen in unterschiedlichen Berufen – Berufskolleg, Berufsfachschule und berufliche Gymnasien mit insgesamt ca. 3.000 Schülern. Der 6. Bauabschnitt 2003 beinhaltete die Realisierung von Werkstatt- und Laborgebäude. Das Projekt wurde mit der Auszeichnung „Beispielhaftes Bauen Landkreis Rottweil 1997-2007“ gewürdigt. Mit der Beendigung des 7. Bauabschnitts wurde das Gesamtensemble funktional und gestalterisch durch den Neubau eines Veranstaltungs- und Mensabereiches mit einem multifunktionalen Saal sowie durch Raumangebote für selbständiges Arbeiten neu geordnet. Aufenthaltsbereiche, Schulbibliothek, PC-Bar, Seminar-, Klassen- und Vorbereitungsräume und Teile der Verwaltung wurden umstrukturiert und baulich weiterentwickelt. Das neue Gestaltungskonzept der Innenräume wird als Design-Leitbild für alle weiteren Umbau- und Sanierungsmaßnahmen dienen. 2019 wurde das Erweiterungsprojekt für die Ausstellung „da! Architektur in und aus Berlin 2020" der Architektenkammer Berlin ausgewählt. 

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Städtebauliches Konzept
Leitidee des Entwurfs des 7. Bauabschnitts war es, das Gebäudeensemble des Schulzentrums städtebaulich fortzuschreiben und die vorhandenen architektonischen Qualitäten in das neue Konzept „Die Neue Mitte“ zu integrieren. Der Erweiterungsbau mit den öffentlichen Nutzungen des Schulzentrums setzt als „Gläserne Pavillonskulptur an der Bastion“ einen neuen architektonisch städtebaulichen Akzent. Die neue Bastion eröffnet einen erhabenen Blick über die prägnante historische Stadtsilhouette der Stadt Rottweil, den Thyssen Krupp Tower sowie in den weitläufigen Landschaftsraum mit den charakteristischen Höhenzügen. 
Das scharfkantig geformte, weit auskragende Metalldach des Erweiterungsbaus ist das architektonische Zeichen der visuellen Verbindung der Schule mit dem Stadt-/Landschaftsraum. Der eingeschossige Erweiterungsbau schließt an das bestehende Gebäude des 1. Bauabschnitts des Schulzentrums an, sodass eine räumliche Fassung des Schulhofes entsteht: „Die Neue Mitte“. Das transparente Gebäude verbindet die Aufenthaltsqualitäten der Innenräume mit denen des Außenraumes. Das bestehende Atrium ist weiterhin der räumliche Mittelpunkt des Schulzentrums und wird mit der Bibliothek- und PC-Bar funktional ergänzt. 

Gebäudeorganisation
Die zentral am Schulhof liegenden, bestehenden gemeinschaftlich nutzbaren Räume gliedern sich in das terrassierte Atrium, die Schüleraufenthaltsbereiche sowie den Kiosk. Diese Raumsequenz wird um die Schulbibliothek und die PC-Bar ergänzt. Der Erweiterungsbau des Saales mit dem Multifunktionsbereich für Veranstaltungen und den Schüleraufenthalt ist der räumliche Abschluss der „neuen Mitte“ an der Bastion. Die notwendigen Nebenräume sind dem Saal direkt zugeordnet. Die Anlieferung erfolgt auf der Ebene -1 mit Lager/Technikräumen und einem Lastenaufzug. Der neue Multifunktionsbereich kann durch ein mobiles Trennwandsystem flexibel für unterschiedliche Nutzungen aufgeteilt werden und bietet Platz für ca. 400 Personen. Die Nutzung der multifunktionalen Veranstaltungsfläche ist unabhängig vom Schulbetrieb möglich, da durch einen separaten Zugang der Neubaubereich mit den zugeordneten Sanitär- und Nebenräumen (Teeküche, Lager) vom Bestandsbau räumlich abgetrennt werden kann. Der Erweiterungsbau schließt direkt an die nördlichen Bestandsflächen an, die für den Mensa-/Cafeteriabereich umgebaut wurden. 

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Architektonisches Konzept
Die Lehreraufenthaltsräume, neue pädagogische Räume für Schülerberatung und die Verwaltung wurden im Obergeschoss des Bestandsgebäudes ebenfalls nach der neuen Design-Linie umgebaut. Die charakteristische Rohbaustruktur des bestehenden Gebäudes wurde in das Innenraumkonzept integriert. Durch die Reduktion auf weiße Decken und Wandpaneele, kombiniert mit Glaselementen, sowie einem hellgrauen Kautschukbodenbelag entsteht ein Kontrast zu den originären, patinierten Sichtbetonfertigteilen der bestehenden Konstruktion. Die Fassade des Bestandsgebäudes wurde komplett erneuert und durch anthrazitfarbene Fensterelemente ersetzt. Der Erweiterungsneubau hat eine eigene architektonische Sprache. Das Baugrundstück, ein Teil des Schulhofes, wird durch ein langgestecktes, plastisch geformtes Metalldach überspannt und durch eine geschosshohe, anthrazitfarbene Pfosten-Riegel Fassade vom Außenraum abgetrennt. Diese architektonische Geste wurde über eine überdachte Außenterrasse, die Bastion, in den Außenraum erweitert. Sämtliche Bereiche im Neu- und Bestandsbau sind über die Eingangs- und Foyerflächen miteinander verbunden. Das Bestandsgebäude wurde für den barrierefreien Zugang der öffentlichen Bereiche ertüchtigt. 

vielmo architekten
Raumqualität und Nachhaltigkeit im Bauwerk und im Städtebau sind die Maximen der Arbeit von vielmo architekten. Dabei ist die Identifikation mit Lebensraum und Lebensqualität der Mehrwert für den Bauherrn und die Nutzer. Das Leistungsspektrum umfasst alle Bereiche in der Architektur und im Städtebau. Zusammen mit qualifizierten Fachplanern bietet das Büro neben Architektur- und Städtebauleistungen auch ganzheitliche Planungsleistungen an. Qualität in der Planung und im Dialog zeichnet das Unternehmen bei jeder Aufgabe aus. Diese Qualität in der Architektur und im Städtebau zeigt sich nicht nur im kreativen und durchführbaren Entwurf, sondern im gesamten Lebenszyklus eines Projektes. Diese Perspektive behalten die Architekten dabei immer im Blick. Der Dialog mit dem Bauherrn ist eine weitere wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Denn nur ein offener und zielorientierter Dialog führt zu Ergebnissen, die hohen Ansprüchen genügen können. Deshalb unterstützt und optimiert Lean-Management die Arbeitsprozesse während der gesamten Planung eines Projektes. Zukunftsorientiert werden die Projekte überwiegend mit BIM bearbeitet und VR Technik genutzt, um jederzeit den aktuellen Planungsstand visuell und räumlich erlebbar verfolgen und überprüfen zu können. Das Büro vielmo architekten beteiligt sich seit Jahrzehnten an nationalen und internationalen Wettbewerben und Gutachten. Planungsaufträge und realisierte Projekte resultieren überwiegend aus Wettbewerbserfolgen.

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Projektinformationen:

Objekt: Berufsschulzentrum Rottweil
Architekt: vielmo architekten gmbh, Stuttgart
Fotos: Brigida González

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