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Unternehmenszentrale mit Idee

dm-drogerie markt Unternehmenszentrale, Karlsruhe 

Lederer Ragnarsdóttir Oei Architekten, Stuttgart

 

„Hier bin ich Mensch – hier kauf ich ein“, das ist seit dem Jahr 1992 das Motto des Karlsruher Unternehmens dm. Wer den Drogeriemarkt dm nur vom Einkaufen kennt, wird in der Art und Weise, wie die dm-Märkte gestaltet sind, die Produkte angeboten und der Service vonstattengeht, den Unterschied zu einer Vielzahl anderer Handelsunternehmen bemerken: Eine helle und freundliche Atmosphäre, ein großes Angebot naturnaher Produkte und zuvorkommende Mitarbeiter. Diese Unternehmensphilosophie sollte sich auch in der neuen Unternehmenszentrale für 1.600 Mitarbeiter widerspiegeln. Für die nach drei Baujahren im Juli 2019 fertiggestellte dm-Firmenzentrale mit dem Namen „dialogicum“ zeichnet das Büro Lederer, Ragnarsdóttir und Oei Architekten aus Stuttgart verantwortlich. 

Architektonisches Konzept

Fährt man durch die Allee von Durlach nach Karlsruhe, so hat man, trotz der Trennung durch die Autobahn, das räumliche Erlebnis eines Grünraumes, der Durlach selbst von Karlsruhe trennt. Diese stadträumliche Qualität galt es zu bewahren. Für die Architektur bedeutete das, die Gebäudehöhe so niedrig wie irgend möglich zu halten. Dieser Umstand verhilft dem Unternehmen zugleich, die Büroflächen möglichst flächenhaft zu präsentieren, also nicht zu stapeln, um damit dem Wunsch nach einer möglichst hierarchiefreien Arbeitswelt Rechnung zu tragen. Zudem vermeidet der gekrümmte Baukörper lange Sichtachsen und lässt das große Volumen gegenüber den benachbarten kleinkörnigen Siedlungsbauten harmonischer erscheinen. Entgegen den für Autobahnkreuze typischen Architekturen von Unternehmen und Einkaufszentren, sollte ein Stadtbaustein gesetzt werden, der sich in seiner Form und Materialisierung unterscheidet. So wurde bei der Gestaltung der Fassade eine Ziegelschale aus gebrauchten Abbruchsteinen realisiert. Lederer Ragnarsdóttir Oei Architekten verwenden Ziegelsteine immer wieder bei ihren Projekten, da sie von der Ästhetik des Materials überzeugt sind und weil die Wiederverwendung von Baumaterial keine Energie bei der Herstellung oder einem Recycling-Prozess benötigt. Im Fall der dm-Firmenzentrale gehen die städtebaulichen Wünsche und die räumlichen Anforderungen, die in der Unternehmenskultur begründet sind, symbiotisch zusammen.

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Zwei Grundstücke

Der Neubau der Unternehmenszentrale von dm-drogerie markt wurde an der nordöstlichen Seite des Autobahnkreuzes an der Durlacher Allee errichtet. Für den Neubau waren zwei Grundstücke vorgesehen: Auf dem zur Autobahn liegenden Grundstücksteil befinden sich die zweigeschossigen Projektflächen, welche für Projekte und Besprechungen genutzt werden, sowie ein grüner Hügel über einem ansteigenden Garagenbauwerk mit vier Parkebenen. Somit konnten zum einen die notwendigen ökologischen Ausgleichsmaßnahmen berücksichtigt und zum andern ein effektiver Schallschutz gegenüber der Autobahn erreicht werden. 

Auf dem östlichen Grundstück befindet sich das Verwaltungsgebäude. Es stehen rund 1.600 Arbeitsplätze zur Verfügung, Konferenzbereiche und ein Mitarbeiterrestaurant. Der Baukörper ist oberirdisch vier- bzw. dreigeschossig und eingeschossig unterkellert. 

Wabenförmige Struktur

Das Gebäude hat einen wabenförmigen Grundriss und schafft unter anderem durch eine Mitarbeiterterrasse auf der Ostseite eine helle und frische Atmosphäre. Das Verwaltungsgebäude verteilt sich um acht Innenhöfe mit Grünfläche, jeder hat eine eigene Gartengestaltung. Die besondere Struktur des Gebäudes bildet ein Netz von Arbeitsflächen, die ohne die für einen Verwaltungsbau typischen Flure auskommt. Die Treppenhäuser dienen nicht nur der Erschließung, sondern sind als eigenständige Kommunikationsbereiche dezentral angelegt.

Gebäudeorganisation

Vom Vorplatz aus betritt man das Gebäude über ein zweigeschossiges Foyer und die daran angegliederte „Magistrale“, die sich in Ost-West-Richtung durch das gesamte Gebäude zieht. Am östlichen Ende der „Magistrale“ befindet sich das Mitarbeiterrestaurant, der große Saal und ein zweiter Eingang, der eine gute Fußgängeranbindung an den Durlacher Bahnhof gewährleistet. Die „Magistrale“ als Haupterschließungsachse im Erdgeschoss bildet gleichzeitig den Foyer- und Pausenbereich für die Konferenzräume. 

Die Büroflächen, die sich überwiegend in den Obergeschossen befinden, werden über vier Haupttreppenhäuser entlang der „Magistrale“ erschlossen. Weitere Treppenhäuser befinden sich in jedem zweiten Kreuzungspunkt des Gebäudes. In direkter Umgebung der Treppenhäuser, als zentrale Punkte, befinden sich die allgemeinen Funktionen wie Teeküchen, Kommunikationszonen und Sanitärbereiche. 

Betritt man das Gebäude von Osten, gelangt man entlang des neu angelegten Teiches über die Terrasse des Mitarbeiterrestaurants in den Speiseraum und anschließend auf die „Magistrale“. Dort befindet sich auch der große Saal für Veranstaltungen wie z. B. Betriebsversammlungen, Seminare oder Tagungen. Der Saal bietet Platz für bis zu 260 Personen. Am östlichen Eingang angeordnet, mit direkt zugeordneten Nebenräumen, kann er auch unabhängig vom restlichen Gebäude z. B. für Abendveranstaltungen genutzt werden. 

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Hierarchiefreier Arbeitsplatz

Der Trend bei der Gestaltung von Büros und Besprechungszonen geht immer mehr zu freien und flexiblen Arbeitsräumen, die zu einem Ort der Begegnung und zum Austausch kreativer Ideen werden. Im Fall der Unternehmenszentrale wurden die einzelnen Arbeitsbereiche stützenfrei ausgebildet, um verschiedene Möblierungen zu ermöglichen. Die Idee der flur- und stützenfreien Ausbildung der Büroflächen sichert eine beidseitige Belichtung der Räume. Die davor liegenden Balkone verschatten die Fassaden aus Holzrahmenfenstern und schaffen ein angenehmes Raumgefühl. Hinsichtlich der atmosphärischen Wirkung der Oberflächen und Farben wurde ein reger Austausch mit dem Bauherren gepflegt, um den Mitarbeitern einen auf deren Bedürfnisse ausgerichteten Arbeitsplatz zu schaffen. Beim Innenausbau sind vor allem die Holzoberflächen aus Ahorn und in der Eingangsebene ein unregelmäßig verlegter Naturstein, sogenannte Solnhofener Platten, eingesetzt worden. 

Lederer Ragnarsdóttir Oei Architekten

In dem 1979 gegründeten Büro von Lederer Ragnarsdóttir Oei Architekten sind derzeit rund 50 Mitarbeiter beschäftigt. Um eine möglichst hohe Identifikation mit den Projekten zu erreichen, wird in kleineren Teams gearbeitet. Diese sind für die gesamte Dauer eines Bauvorhabens zusammen und arbeiten intensiv miteinander. Regelmäßige Wettbewerbsteilnahmen gehören für die Architekten neben der Bearbeitung laufender Projekte zu den entscheidenden Aufgaben. Nicht nur weil sie die Chance eines Auftrags für ein neues Projekt eröffnen, sondern auch deshalb, weil dadurch eine stimulierende Auseinandersetzung mit aktuellen Themenstellungen stattfindet. Erste Skizzen, die bereits ein übergeordnetes Entwurfskonzept erkennen lassen, differenzierte Flächenanalysen und Arbeitsmodelle zählen hier zu den wesentlichen Schritten. Unter den Wettbewerbserfolgen, die in den letzten Jahren erzielt werden konnten, finden sich das Historische Museum in Frankfurt a. M. (ausführlicher Bericht in architektur international: Ausgabe VIII-2017), das Büro- und Geschäftshaus „Kaiserkarree“ in Karlsruhe sowie das Stadtmuseum Stuttgart. Auch die für das Büro wichtigen Projekte Duale Hochschule Lörrach, Kloster Hegne Marianum in Allensbach, Kunstmuseum Ravensburg, Neubau und Sanierung des Bischöflichen Ordinariats in Rottenburg am Neckar und der Neubau Hospitalhof in Stuttgart gehen zurück auf Wettbewerbserfolge. Das Leistungsspektrum umfasst Bauten für die Bereiche: Bürogebäude, Behörde und Verwaltung, Freizeit und Sport, Gesundheit und Erziehung, Wohnen, Kultur und Kirche, Industrie sowie Stadtplanung. Von entscheidender Bedeutung bei der Umsetzung der gestellten Aufgaben ist das Schaffen eines Ortes. Dazu wird Architektur jedoch nicht zwanghaft neu erfunden, vielmehr versuchen Lederer Ragnarsdóttir Oei Architekten, aus der langen Geschichte des Bauens zu lernen – ohne dabei einem Historismus zu verfallen. Für die Teams gilt es, Orte zu definieren, deren Räume durch ihre körperhaften und taktilen Eigenschaften überzeugen. Um dies zu erreichen, werden Qualitäten bestehender Bauten hinterfragt und in eine moderne Formensprache überführt: Das Vertraute wirkt neu.

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Projektinformationen:

Objekt: dm-drogerie markt Unternehmenszentrale, Karlsruhe
Architekt: Lederer Ragnarsdóttir Oei Architekten, Stuttgart

Fotos: Roland Halbe, Stuttgart / dm-drogerie markt GmbH + Co. KG

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