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Events im Gaskessel

Gaskessel in Wuppertal

GKM Architektur Studio, Wuppertal

 

Die Umnutzung von denkmalgeschützten Gebäuden ist eine ebenso spannende wie herausfordernde Aufgabe. Die bestehende Architektur muss in heutige Vorstellungen mitgenommen bzw. übersetzt werden. Der frühere Entwurfsgedanke und die ehemalige Nutzung sollten idealerweise ablesbar sein, aber sich auch in die neue Bestimmung einfügen. Im Juni 2019 wurde der Gaskessel in Wuppertal mit Gastronomie, einem Fitnessclub und einer einzigartigen Ausstellung eröffnet. Der Scheibengasbehälter wurde ursprünglich im Jahr 1952 durch die MAN fertiggestellt. 1998 wurde das Zwanzigeck, ein Jahr nach der Stilllegung, zum Baudenkmal. In einer umfangreichen Umbauphase von 2016 bis 2019 wurde ein vollwertiges Gebäude als „Haus im Haus“ implementiert. Der Wuppertaler Gasometer hat eine 65 Meter hohe und rund 38 Meter breite Hülle, die bis auf die Dachkuppeln geschlossen ist. Der Neubau nimmt drei Viertel der Grundfläche ein und rückt respektvoll von der Hülle ab. Ein Viertel der historischen Druckscheibe ist erhalten geblieben und wird zum Ausstellungsstück sowie Teil des Denkmals. Eine Dauerausstellung zeigt die Historie des Kessels, eine wechselnde 3D-Show sowie eine spektakuläre Projektion auf eine 6.000 Quadratmeter große Leinwand, die sich im Dach und an den Wänden des Kessels erstreckt. Auf dem Dach bietet zudem ein Skywalk auf fast 70 Metern einen einzigartigen Ausblick über Wuppertal. Ebenfalls im Kessel und unabhängig von der Ausstellung geöffnet sind ein Fittness-Studio mit spektakulärer Sicht in die Ausstellung sowie auf das Tal. Das Restaurant „Aposto“ im Erdgeschoss hat sich dem Motto „Gewöhnlich war gestern“ verschrieben – dabei stehen ausgefallene Pizza- und Pastakreationen, auf der Karte. 

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Vom Gaskessel zur Eventfläche
Ende des Jahres 1950 startete das MAN Werk Gustavsburg die Bauphase des Scheibengasbehälters an der Mohrenstraße. Das Richtfest für den damaligen blau angestrichen Gaskessel erfolgte im November 1951. Die erste Befüllung des Gaskessels wurde am 20. Februar im darauffolgenden Jahr vorgenommen. Mit der Modernisierung der Erdgaspipelines, die eine gleichmäßige Gasversorgung sicherstellten, war die Speicherung von Gas in einem Gasbehälter nicht mehr notwendig. Deshalb wurde der Gaskessel nach 45 Jahren Betrieb geschlossen. Fast 20 Jahre ruhte der Wuppertaler Stahlriese danach und ist seither für Generationen aus dem Stadtbild nicht wegzudenken. Logos von Vereinen und Institutionen erhielten den Gasometer am Leben. Am Fuße des „Gaskessels“ entstand eine Clubkultur und um ihn herum ging das Leben weiter. Eine Wuppertaler Investorengruppe erwarb das Industriegebäude dann 2016 von den Wuppertaler Stadtwerken. Das Architekturbüro GKM Architektur Studio entwickelte ein nachhaltiges Nutzungskonzept. In Deutschland gab es bis dato viele Ansätze und Planungen für Umbauten von Gasbehältern – aber noch nie wurde aus einer Idee eine Umsetzung realisiert. Nach dem Umbau soll der Stahlriese wieder ein lebendiger Teil der Stadt werden: Eine Umnutzung des leeren Gasbehälters als eine Kombination aus neuer und alter Architektur in Verbindung mit nachhaltig, vielversprechenden Nutzungen inszenieren die einst industrielle Brache jetzt neu.

 

Architektonisches Konzept
Der Leitgedanke zu diesem Projekt war es, die historische mit der neuen Bausubstanz in Einklang zu bringen. Die bestehende Gasdruckscheibe wurde um 3⁄4 zurückgebaut. Das erhaltene Viertel bildet mit dem ersten Geschoss des Neubaus eine Verbindung und wird zum Ausstellungsstück sowie Teil des Denkmals. Der Neubau rückt respektvoll von der inneren Hülle ab, verbindet sich stellenweise jedoch damit. Die Erweiterung ist bewusst aus einem anderen Material als der Bestand errichtet. Die Beton-Fertigbauteile stehen konträr zum Material Stahl. Die wiederkehrende Strukturierung der Fassadenelemente erinnert an die Serialität und Fertigkeit von genormten Bauelementen. Die Sichtverbindung zum Bestand durch das bewusste Einsetzen großformatiger Glasflächen bildet eine Einheit mit der Schaffung einer Verbindung nach außen. 34 Öffnungen in der Gaskesselhaut lassen Tageslicht ins Innere und rahmen die „Außenwelt“ Die Fünfstöckigkeit des Neubaus erlaubt das Erleben der Höhe des überragenden Baubetands und die besondere Atmosphäre der sich darüber erhebenden Kathedrale. Die Erweiterung verbindet sich durch Brücken mit dem Bestand und endet in einem außen liegenden Neubau – dem 70 Meter hohen Treppenturm, der weiter auf das Dach des Gaskessels führt. Hier erlaubt eine 360-Grad-Aussichtplattform den Blick in das Tal der Wupper. 

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Bauen in einer „Dose“
Das Konzept war klar, die Umsetzung eine Herausforderung: Baut man auf freiem Feld, ist es ein Leichtes sich zu bewegen. Baut man in einem 38 Meter Durchmesser großen Raum, den man aus statischen Gründen nur durch eine 2,85 x 3,20 Meter große Öffnung bedienen kann, wird es schwieriger. Die größte Herausforderung für die beteiligten Unternehmen war die Logistik: Zunächst musste ein Weg gefunden werden, das Gebäude innerhalb der Hülle zu montieren. Um alle Stellen zu erreichen, wurde das zentrale Treppenhaus als Tragwerk und Turm für einen Obendreherkran ausgebildet, der im nächsten Schritt das Material für das restliche Gebäude nach oben befördert hat. Die in Größe und Gewicht genau berechneten Betonfertigteile (Maximal 5 Tonnen = Tragkraft des Krans in des maximalen Größe) wurden über ein selbstgebautes Schienensystem in den Gaskessel gefahren, welche der Kran dann verteilte. Da der Kran mit dem Treppenhauskern verbaut wurde, verbleibt er im fertiggestellten Gasometer-Umbau. Zum einen kann er, ohne vollständig demontiert zu werden, nicht entfernt werden. Zum anderen ermöglicht er flexible Nutzungen des innen liegenden Dachs des Neubaus. Gegenstände bis 5 Tonnen Gewicht können problemlos auf das Dach gehoben werden etc.

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150633 Facts
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Projektinformationen:

Objekt: Gaskessel in Wuppertal
Architekt: GKM Architektur Studio, Wuppertal / www.gkm-architektur.de
Fotos: RajcaArt

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