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Auszeichnung für Deutschlands erste Porzellankirche

Der in Los Angeles lebende Architekt Michael J. Brown, ein Schüler des Stararchitekten Daniel Libeskind, hat in Thüringen einen ganz besonderen Ort geschaffen: Er verwandelte die mittelalterliche Burgkirche der Leuchtenburg bei Seitenroda in Deutschlands erste Porzellankirche – modern, rein, weiß und klar. Dieser Ort wurde aktuell mit dem ICONIC AWARD Interior Architecture und einer Anerkennung im Rahmen der Verleihung des Thüringer Staatspreises für Architektur 2018 ausgezeichnet.

Ruhe und Klarheit
Die bescheidene Burgkapelle der Leuchtenburg aus dem Mittelalter wird nach diversen Zwischennutzungen – unter anderem als Gefängniskirche und heimatgeschichtlicher Museumsraum – durch eine elegante Geste wieder in ihrer liturgischen Funktion wahrgenommen. In der Neunutzung der Burg als Porzellan-Erlebniswelt entsteht die weltweit erste Porzellankirche. Seit der ökumenischen Weihe im Oktober 2016 steht der Raum für Gottesdienste, Taufen sowie kirchliche Hochzeiten wieder zur Verfügung. Dreißig Porzellanschwerter bilden einen ovalen Vorhang. Sie filtern das Licht und spannen einen symmetrischen Raum im heterogenen Bestand auf. Der Einbau bringt Ruhe und Klarheit. Die Schwerter sind so rotiert, dass sie gezielte Ein- und Ausblicke ermöglichen. Auf den Bänken sitzend, wirkt der Raum geschlossen und fokussiert den Blick auf den Altar. Die Akustik wird mit der Stellung der Lamellen kontrolliert und verbessert. Hinter dem Altar wird ein reflektierendes Band geschaffen, das ein unverstärktes Sprechen erlaubt. Die Porzellanoberflächen an den Innenseiten verleihen Menschlichkeit, die Außenseiten aus poliertem Aluminium entmaterialisieren den Raum und verstärken das Tageslicht. Symmetrie, Vertikalität und Licht schaffen eine besinnliche Atmosphäre, eine Ruhepause um das Überirdische zu vermitteln.
 
„Neuartiges Raumerlebnis“
Die neue Innenraumgestaltung wurde durch das Büro NAU2 in Zürich und Los Angeles durch Michael J. Brown in Zusammenarbeit mit Sven-Erik Hitzer realisiert und bereits mehrfach prämiert. Die Jury des Thüringer Staatspreises urteilte: „Die Verfasser erzeugen mit ihrem Eingriff in den historischen Raum ein völlig neuartiges Raumerlebnis, das ohne tatsächlichen Raumabschluss auskommt. Vielmehr werden gewohnte Umfassungswände durch vertikale Lamellen aufgelöst. Diese lassen Tageslicht gezielt eintreten, den eigentlichen Raumabschluss jenseits der Lamellen spüren. Die Eingriffe in die denkmalgeschützte Baustruktur bleiben damit auf ein Minimum begrenzt.“
Die Porzellankirche war und ist gefragter Veranstaltungsort künstlerischer Reihen, wie des Thüringer Orgelsommers, der Bachwochen oder auch des MDR Musiksommer-Festivals. Zum Buß- und Bettag 2018 (21. November) überträgt die ARD einen Gottesdienst in der Porzellankirche, begleitet vom Dresden Chor der Frauenkirche, live. Ebenso rekordverdächtig ist das durch die Reichenbacher Porzellanmanufaktur geschaffene Taufbecken aus Porzellan. Es misst beachtliche 78 Zentimeter im Durchmesser und fasst 250 Milliliter Taufwasser in einer kleinen Vertiefung.

Foto: S. Reuter

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